Frauen
Zu einem sehr interessanten Vortrag hatte die Arbeiterwohlfahrt (AWO),
Ortsverein Nördlingen, geladen.Unter dem Titel „Die Unsichtbaren –
Frauen in Nördlingen“ stellte Frau Manuela Hofmann-Scherrers ihre gut recherchierten Forschungsergebnisse zur Stellung der Frau in früheren Jahren in Leben, Alltag und Politik im Hinblick auf Nördlingen vor.
Sie begann in der Mitte des 19. Jahrhunderts und belegte mit Fakten, dass es ganz normal war Frauen nur als Frau und Mutter wahrzunehmen. Ohne Beruf oder Ausbildung war es dann für sie besonders schwer für sich oder auch die Kinder zu sorgen, wenn der Mann sich aus der Ehe „verabschiedete“, ob durch Tod, Krankheit oder auch Trennung. Kinder wurden oft in den Waisenhäusern zur Pflege untergebracht, obwohl sie gar keine Waisen waren.
Dieses Schicksal drohte auch Frauen aus der besseren Schicht; nach dem Aufbrauchen der Mittel mussten oft Bettelbriefe an den Rat der Stadt geschrieben werden, um ein Überleben zu sichern. In den politischen Gremien wurden die Interessen der Frauen auch nicht vertreten, denn da waren sie nicht vorhanden. Auch in den Akten der Stadt tauchten Frauen nicht auf, fast wie wenn es sie nicht gegeben hätte.
Erst als Dora Schlicht – deren ebenso bemerkenswerten wie leidvollen Lebensweg die Referentin besonders darstellte – von der Nördlinger SPD aufgestellt und als erste Frau in den Nördlinger Stadtrat einzog, gab es ein, je nach Partei kürzeres oder längeres, Umdenken und mehr wurden Frauen aufgestellt und letztendlich auch gewählt. Mit der Präsenz der Frauen im Rat wurden auch die Bedürfnisse von Frauen und Familien in der Stadt mehr wahrgenommen. „Es lohnt sich für seine Rechte einzustehen“, schloss Manuela Hofmann- Scherrers ihren Vortrag, für den sie reichlichen Befall erhielt.
Am 24. Februar 2022 jährte sich der Geburtstag von Maria Penn zum 120. Mal. Maria Penn war eine außergewöhnliche Frau und Bürgerin unserer Stadt, die für ihre Verdienste nicht nur die silberne Bürgermedaille der Stadt im Jahre 1977 erhielt, sondern im Jahre 1986 auch mit dem Verdienstkreuz am Bande der BRD ausgezeichnet wurde. Maria Penn war Gründerin und langjährige Vorsitzende der AWO Nördlingen. Trotz ihres schweren Schicksals als Frau eines Widerstandskämpfers zeigte sie nie Groll oder Verbitterung. Ihre herausragenden Charaktereigenschaften waren Hilfsbereitschaft zu jeder Zeit, Freundlichkeit und Lebensmut.
Im Jahr 2018 beschloss der Stadtrat, auf dem ehemaligen BayWa Gelände eine Straße nach Maria Penn zu benennen. Neben Maria Holl ist Maria Penn erst die zweite Frau, nach der eine Straße in Nördlingen benannt ist.
Von persönlichen Begegnungen wird berichtet: „Wenn man Maria Penn besuchte ging man nie ohne etwas von ihr fort. Ob das Ratschläge, zugesagte Hilfe, Süßigkeiten oder eine kleine finanzielle Unterstützung war, man fühlte sich immer verstanden und unterstützt. Maria wurde es nicht müde Jugendliche von den Vorkommnissen der Nazi-Diktatur zu erzählen, aber ganz ohne Vorwürfe und Beigeschmack.“
Ihrem vorbildlichen Engagement fühlen wir uns weiterhin verpflichtet.
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